Mein Praktikum an der Community Inclusive Special School Kpando

von Stefan Hackl

Ghana

Von Anfang Oktober 2003 bis Ende März 2004 habe ich mein Praktikum in Kpando, einem kleinen Ort im Osten Ghanas absolviert. Kpando liegt in der Volta-Region, nahe des Volta-Stausees, der zu den größten Stauseen der Erde gehört. Die Volta Region zählt zusammen mit den nördlichen Gebieten zu den ärmsten Regionen Ghanas. 90% der Bevölkerung lebt von Fischfang und Landwirtschaft
Gearbeitet habe ich in Kpando an der "Community Inclusive Special School", der ersten integrativen Schule Ghanas. Durch eine Elterninitiative 1995 gegründet wurde die Schule seitdem mit Unterstützung durch das EMH Ghana-Project weiter aufgebaut und konnte 2001 in ein eigenes Schulgebäude am Rande der Stadt umziehen. Das EMH Ghana-Project setzt sich in Kooperation mit Africa-Action Deutschland e.V. (www.africa-action.de) für bessere Lebensverhältnisse behinderter Menschen in Westafrika ein.

cd2

Gut ein Monat nach meiner Ankunft in Ghana – ich hatte mich gerade etwas eingelebt – kam Mr. Buamah an unsere Schule, ein Sonderschullehrer aus Sekondi-Takoradi um einen "Music Workshop" zu veranstalten. Dieser Workshop sollte zugleich eine Einführung in die Vorbereitung auf ein Music Festival sein, das Mitte März 2004 stattfinden sollte. Als begeisterter Musiker war ich natürlich Feuer und Flamme von dieser Idee. In einem eingestaubten Schrank der Schule fand ich einige Orff-Musikinstrumente und ein paar Blockflöten, die einst als wohlwollende Spende ihren Weg nach Ghana fanden und seither in diesem Schrank herumliegen. Mehrere Materialien der Schule waren unbenutzt und in schlechtem Zustand. Also, ich kramte die Instrumente hervor und mühte mich einige Wochen, den Schülern einfache Griffe auf der Blockflöte beizubringen. Dann hat die Schule zu einem besonderen Anlass Trommeln von einer Trommelgruppe im Dorf ausgeliehen. Völlig mühelos und mit Begeisterung von Lehrern und Schülern wurde nun plötzlich musiziert, getanzt, gesungen.

cd3

Sofort war mir klar, dass das die Musik dieser Kultur ist und wie unreflektiert oft Spenden, wie in diesem Fall die europäischen Musikinstrumente gemacht werden. Auch wenn ich meinen Unterricht im Musizieren auf europäischen Instrumenten weiterführte war uns allen klar: Die Schule braucht Trommeln. Als Weißer an der Schule war ich natürlich bei finanziellen und materiellen Sorgen Ansprechpartner Nr. 1 und so wurde gleich darauf ein Kostenvoranschlag bei mir eingereicht. Da ich den teilweise schlechten Zustand der gespendeten Materialien vor Augen hatte, wollte ich nicht einfach Trommeln spenden bzw. Spender in Deutschland suchen. Fasziniert, mit welcher Begeisterung und zugleich mit welcher Sicherheit diese Kinder musizierten kam mir eine ganz andere Idee um das Finanzierungsproblem zu lösen: Wir machen eine CD. Wie das gehen soll, wusste ich anfangs auch nicht, doch mit viel Einsatz, täglichen Proben und einer Portion Glück konnten wir im Februar 2004 unsere Aufnahmen machen und beim Music Festival die ersten CDs verkaufen.

cd1
Weitere Informationen zur CD gibt es hier

Ich möchte Sie einladen, einzutauchen in diese fremde Kultur, durch eine Musik, deren Ursprünglichkeit für unsere Ohren vielleicht zu nächst etwas fremd wirkt.

[ Fenster schließen ]